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Wir leben in einer privilegierten Welt. Können Bildung genießen, müssen nicht die Flucht vor Bürgerkriegen wagen, werden nicht aufgrund politischer Lage von unseren Familien getrennt. Dass es anderen Menschen viel schlechter geht, dass sie sich in einem fremden Land - gerade nicht freiwillig und vielmehr notgedrungen - eine neue Bleibe, eine neue Existenz aufbauen müssen, das vergessen wir Bewohner der westlichen Welt viel zu oft. Ein Projekt, das Mut im Umgang mit anderen Menschen und Kulturen macht und das in Ettlingen trotz zahlreicher freiwilliger engagierter Bürger nun an seine Grenzen stößt, ist der aktuelle Alphabetisierungskurs für Asylbewerber. Die erste Volkshochschul-Kursreihe mit Leiterin Friederike Sterz ist fast beendet, umso wichtiger ist es für Radika, Mustafa, Arian und die anderen sieben Teilnehmer, dass beim Deutschunterricht nahtlos angeknüpft werden kann. Darüber sind sich auch die freiwilligen Helfer und Kursleiter wie Wolfgang Dick und Harald Gilcher einig, die in ihrer Freizeit Deutsch als Fremdsprache geben. "Oft mit einem persischen Wörterbuch im Gepäck", was Wolfgang Dick schmunzelnd bestätigt.
Man nehme im gemeinsamen Umgang mit anderen Kulturen wie bei den Asylbewerbern, die aus dem Iran, dem Irak und Persien kommen, so viel selbst mit, das sei schon einzigartig, bestätigt Harald Gilcher. Auch das Thema Sport und alltägliche Umgang mit den Bürgern beim Einkauf, auf dem Markt oder beim Bäcker sei notwendig, um sich in einer Stadt wohl und nicht fremd zu fühlen, erläutert Beate Rashedi, Dienststellenleiterin Ettlingen des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirchenbezirke im Landkreis Karlsruhe.
Nun werden dringend Sponsoren und Kooperationspartner gesucht, die sich mit dem Projekt identifizieren können, darüber informierte Bürgermeister Thomas Fedrow beim Vororttermin. Obwohl bereits reger Austausch mit dem Familienzentrum "effeff" besteht und sich für eine Asylbewerberin bereits eine "Patin" gefunden hat. Mehrere dürfen gerne folgen, so Rashedis Meinung, die weiß, dass einige Teilnehmer durch ihre Flucht aus ihrem Heimatland traumatisiert sind. "Die Sprache ist der Schlüssel zur Integration", warf BM Fedrow in die Runde und appellierte an potentielle Förderer, Mut zu zeigen und sich zu engagieren.
Infos unter Telefon www.ettlingen.de